Pädagogisches Konzept

Kurzfassung für Eltern, Stand April 2018

Aufbau der Kulturwerkschule

Die Kulturwerkschule umfasst eine Oberschule und eine Grundschule mit Hort. Träger dieser Einrichtungen ist die Kulturwerkschule gGmbH.

Leitlinien

Alle Einrichtungen der Kulturwerkschule arbeiten nach folgenden Leitlinien:

  1. Bildung für alle, gleich welcher geistigen, körperlichen oder sozialen Voraussetzungen
  2. Demokratie in allen Lebens- und Lernbereichen
  3. StadtTeil – Bildungseinrichtungen als mitgestaltender und unterstützender Teil der unmittelbaren Umgebung
  4. Kulturell-ästhetische und Technische Bildung als Fundament für Bildung insgesamt

Besonderes Gewicht wird auf kulturelles Denken und Wirken gelegt. Dies spiegelt sich in der Vertiefung der Ausbildung wider: Grundlagenwissen und Grundtechniken in den Bereichen

  • technische Bildung (Handwerk als Kulturtechnik; Erkennen, Verstehen und Anwenden von (Kultur-)Technik),
  • ästhetische Bildung (künstlerisches Schaffen, ästhetisches Empfinden im Zusammenhang mit Technik und gesellschaftlicher Entwicklung) und
  • kulturell-soziale Bildung

sollen ganzheitlich und durchgängig vermittelt werden.

Grundschule und Hort

Inhaltlich orientiert sich die Kulturwerkschule an den Lehrplänen des Freistaates Sachsen für Grundschulen Klasse 1 bis 4. Die Klassen 1 bis 3 lernen in inklusiven jahrgangsgemischten Gruppen. Die Lehrkräfte nehmen in ihrer Arbeit also Bezug auf die Lehrpläne für die unterschiedlichen Jahrgänge und orientieren sich bei Bedarf an unterschiedlichen Schulformen (z.B. Schule zur Lernförderung).

Lern- bzw. Unterrichtsformen

Gesamtunterricht: Ausgehend von Sachthemen werden die anderen Lernbereiche der Grundschule wie Deutsch und Mathematik erarbeitet. Damit das Lernen sinnstiftend und nachhaltig erfolgt, stehen die Themen der Kinder im Mittelpunkt. Diese stimmen sehr häufig mit den Lehrplanthemen überein bzw. haben einen Bezug zu diesen.

Zum Beispiel ist das Thema Essen sehr präsent. Greift man exemplarisch das Beispiel der gesunden Ernährung als Lehrplanthema heraus, können lebensweltliche Themen wie Einkaufen, Währungen, Addition und Subtraktion oder auch mit Dezimalzahlen optimal vernetzt werden.

Im Gesamtunterricht wechseln sich folgende Arbeitsformen ab:

Input durch die Lehrkraft: Es gibt gemeinsame Einführungsphasen für alle oder für eine kleinere Gruppe von Kindern.

z.B. zu Rechtschreibregeln (Doppelkonsonanten, langes i)

Projekte als Teil des Gesamtunterricht

Schwerpunktthemen der Kinder werden in Projekten vertieft. Dafür planen und arbeiten die Kinder in Gruppen weitgehend selbständig. Dies fördert das selbsttätige Lernen in einer Gemeinschaft, die Selbständigkeit und soziale Kompetenzen (Abstimmungen, Verantwortungsübernahme).

Bspw. kann sich eine Frage für eine Gruppe von Kindern aus dem Themenbereich Gesunde Ernährung entwickeln: Welche Ernährung ist gesund? Daraus ergeben sich vielfältige Forschungsansätze: Was darf man essen? Was braucht unser Körper? Welche Lieblingsrezepte hat meine Oma? Welche Bedeutung hat die Ernährung für die (Land-) Wirtschaft? etc.

Freiarbeit

Die Kinder können individuell ihren eigenen Themen forschend und lernend nachgehen.

z.B. wenn ein Kind unbedingt etwas können möchte: wie bspw. über eine Million zu rechnen...

Ausflüge

Lernen passiert vor allem am Original, in der Natur, beim Tun und Erleben. Daher gibt es regelmäßige Ausflüge und Exkursionen. Diese können spontan, z.B. nach Projektideen der Kinder, oder auch langfristig geplant erfolgen.

Themenräume und Werkstätten

Die kulturell-ästhetische und technische Bearbeitung von Themen wird besonders in den Themenräumen oder Werkstätten vertieft.

Die Themenräume bieten vorbereitete Themen an, die konkret unter kulturellen, ästhetischen und/oder technischen Aspekten bearbeitet werden. Themenräume wechseln aller 4 bis 8 Wochen, die Kinder können sich einwählen, sind dann aber zur Teilnahme verpflichtet (mind. 3/Woche).

In Werkstätten (Holz, Metall, Atelier...) können Techniken (angeleitet und betreut) ausprobiert, geübt und verfeinert werden. Die Werkstätten sind offen, können aber auch zu einem Themenraum werden.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit in den Themenräumen und Werkstätten ist die Einbettung in den Kontext menschlicher Bedürfnisse, Problemwahrnehmungen und Zwecksetzungen. An die Erstellung eines Produktes schließt sich die gemeinsame Reflexion im Hinblick auf Abweichungen vom eigenen Ziel, deren Bewertung und Folgeentscheidungen an. Das sinnliche Erfahren, Erkennen, Tun bietet Möglichkeitsräume für Kinder, wo sowohl das eigene Schaffen und Wirken als auch das ästhetische und funktionale Urteilen erweitert werden können.

Z.B. könnte das Thema „Licht und Schatten“ bearbeitet werden. Bestandteile wären dann bspw. eine Sonnenuhr bauen, Schattentheater, Licht vervielfältigen, brechen, reduzieren; Ich und Licht: Lichtspiel und Schattenfühlen, Oberflächen verändern.

Alle Aufgaben, die für die Schule gemacht werden müssen, können in der Schule gemacht werden. Nicht alle Kinder und Familien haben die Möglichkeit am Nachmittag, Wochenende oder in den Ferien in Ruhe zu arbeiten.

Leistungsdokumentation und -einschätzung

In der Grundschule werden keine Noten erteilt. Das Lernen und die Leistungen der Kinder werden fortlaufend dokumentiert und in Gesprächen reflektiert. Zum Schuljahresende erhalten die Kinder umfassende Lernentwicklungsberichte. Am Ende des Halbjahres finden verpflichtende Lernentwicklungsgespräche mit Eltern und Kindern statt.

Übergänge in andere Schulen sind möglich, da die Dokumentation der Lernentwicklung durch die Lehrkräfte in eine entsprechende Lerneinschätzung und Empfehlung übersetzt werden kann.

Betreuung und Begleitung

Grundschule und Hort arbeiten sehr eng zusammen, d.h. in Unterrichtsphasen, in Freizeit, während der Freiarbeit werden die Kinder überwiegend von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften des Hortes gemeinsam begleitet. Bei der Planung und Gestaltung von Angeboten arbeiten Schule und Hort ebenso zusammen.

Lern- und Freizeiten

Die Grundschule und der Hort sind von 7:00 bis 17:30Uhr geöffnet. Kernzeiten sind zwischen 8:30 und 14:00Uhr. An drei Tagen in der Woche ist die Verweildauer bis 15:00Uhr verpflichtend. Pausen werden an den Bedürfnissen der Kinder ausgerichtet (Zeit für Bewegung, Zeit für Essen oder Ruhe). Feste Lernangebote umfassen einen Zeitraum von 60 Minuten.

Beispielplan

Beispielplan
TR = Themenraum oder Werkstatt
Eigenarbeit kann sein: selbständiges Lernen, Lerngespräche aber auch Lerngruppengespräch

Die Oberschule

Genau wie in der Grundschule orientiert sich die Oberschule an den Lehrplänen des Freistaates Sachsen. Unterricht wird sowohl in jahrgangshomogenen Stammgruppen als auch in jahrgangsgemischten Lerngruppen durchgeführt.

Lern- bzw. Unterrichtsformen

Grundkurse: In den Grundkursen werden Themen gemeinsam besprochen. Die Grundkurse sind verpflichtend. Sie können nicht (ab-)gewählt werden. Parallel zum Grundkurs findet kein Themenraum und keine Freilernzeit statt. Das Lernen findet hier in einer festen Bezugsgruppe, der altershomogenen Stammgruppe statt. Die Grundkurse können sowohl fachorientiert (z.B. nur Mathe) als auch fächerübergreifend (z.B. Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde) organisiert sein. Im Grundkurs werden Grundlagen gelegt, finden Einführungen in Themen statt. Der Grundkurs ermöglicht ein gemeinsames Verstehen des Stoffes und ein gemeinsames Verstehen der Aneignungsprozesse/Lernprozesse durch die und in der Gruppe. Der Grundkurs ist am stärksten didaktisch aufbereitet und ähnelt am stärksten dem klassischen Unterricht.

Themenräume: Die Themenräume sind eng verbunden mit der Werkstattidee und als Wahlpflichtprogramm organisiert. Die Schüler*innen wählen sich für die Dauer eines Themenraumes (z.B. 8 Wochen) in den Themenraum ein. Das Lernen in den Themenräumen ist nicht stammgruppengebunden sondern altersheterogen. Die Lehrperson stellt ein Lernangebot, an dem die Schüler*innen auf ihrem jeweiligen Niveau arbeiten können. Eine individuelle Vertiefung ist möglich. Die Themenräume ermöglichen ein sehr differenziertes Lernen.

Ein Beispielthemenraum könnte „Lebensräume von Tieren in Europa“ sein. Hierbei kann es Angebote zur Erarbeitung von Tiergattungen und deren Entstehung, Bedürfnissen, Fortpflanzung etc. geben, aber auch zu den verschiedenen Landschaften, deren Entstehung und Kennzeichen bis hin zum Lebensraum Stadt und dessen Besonderheiten aus Sicht der Tiere. Ökologie und bewusste Lebensweise spielen dabei eine Rolle. Es können Ausflüge, Experimente oder Tierbeobachtungen stattfinden, genauso wie Recherchearbeit oder technische Konstruktionen bspw. zum Tierschutz.

Freilernzeit

Alternativ zur Wahl in einen Themenraum können die Kinder und Jugendlichen für einen Zeitraum analog zu den Themenraumangeboten Freilernzeit wählen. Die Freilernzeit kann auch am eigenen Arbeitsplatz stattfinden. Dort können die Schüler*innen eigenen Themen nachgehen. Die Freilernzeit ist durch Pädagog*innen begleitet.

Es können sich mehrere Schüler*innen zu gemeinsamen Freilernprojekten zusammentun. In einem separaten Freilernraum kann ungestört selbstständig aber auch im Austausch mit anderen gearbeitet werden. Der Freilernraum ist räumlich beispielsweise als ruhige Bibliothek oder handwerkliche‘ Freilernzone gestaltbar.

Weitere Unterrichtsformen und Lerngelegenheiten

  • Jahresthema: Der im Grundlagenteil der Lehrpläne ausgewiesene fächerverbindende Unterricht wird an der Kulturwerkschule Jahresthema genannt. Es wird in zwei Zeitblöcken in einem „kleinen Jahresthema“ (= 2 Wochen) und einem „großen Jahresthema“ (= 3 Wochen) durchgeführt. In dieser Zeit arbeitet die gesamte Schule, d.h. alle Schüler*innen (alters-/jahrgangs- bzw. stammgruppenübergreifend) der Schule, an demselben Oberthema gemäß Grundlagenteil der Lehrpläne. Dieses Thema zieht sich durch die verschiedenen Lernveranstaltungen.
  • Intensivphase Kultur und Intensivphase Werk: Im Jahrgang 6 werden Wochenstunden und entsprechende Lehrplaninhalte aus dem Erfahrungsbereich Kultur und Werken sowie passende Lehrplaneinheiten aus anderen Fächern zu einer vierwöchigen Intensivphase Kultur zusammengefasst, wobei eine Woche als Klassenfahrt gestaltet ist. Im Jahrgang 7 werden Wochenstunden und entsprechende Lehrplaninhalte aus dem Erfahrungsbereich Kultur und Werken sowie passende Lehrplaneinheiten aus anderen Fächern zu einer vierwöchigen Intensivphase Werken zusammengefasst, wobei eine Woche als Klassenfahrt gestaltet ist. Grundkurse können während der Intensivphasen fortgeführt werden.
  • Begleitete Eigenarbeitszeit und Betreuungszeit: Die begleitete Eigenarbeitszeit und Betreuungszeit dient als Übungszeit, als Zeit, um individuell Übriggebliebenes zu vervollständigen. Hier können Aufgaben aus den Grundkursen und den Themenräumen bearbeitet werden. Sie grenzt sich von der Freilernzeit, in der nach individuellem Interesse gearbeitet wird, durch die obligatorischen, verpflichtenden Aufgaben, ab.
  • Jahresarbeiten: In den Jahrgängen 9 und 10 erstellen alle Schüler*innen eine sogenannte Jahresarbeit. Damit übernehmen sie eigenständig Verantwortung für einen längeren Arbeitsprozess, der in Themenräumen, in Freilernzeit und in der Eigenarbeit, sowie in überschaubarem Umfang auch zu Hause entsteht und nach individuellen Interessen ausgewählt wird. Die Ergebnisse der Arbeiten fließen in die Beurteilung im entsprechenden Fach mit ein. In den Lernentwicklungsberichten werden die Titel der Arbeiten im genauen Wortlaut erwähnt.

Berufs- und Studienorientierung

Die Berufs- und Studienorientierung erfolgt in Form verschiedener Praktika und durch die stetige Zusammenarbeit mit Einrichtungen im Stadtteil (z.B. Handwerk, Krankenhaus ...). Folgende Praktika werden an der Kulturwerkschule absolviert:

  • Jahrgang 7: einwöchiges Betriebspraktikum Jahrgang 8: zweiwöchiges Betriebspraktikum Jahrgang 9: dreiwöchiges Betriebspraktikum
  • Jahrgang 10: einwöchiges Praktikum in einer weiterführenden Schule

Die Praktika werden in vor- und nachbereitende Unterrichtseinheiten eingebettet.

zusätzliche schulische Veranstaltungen

An der Kulturwerkschule – Oberschule gibt es folgende, zusätzliche, verbindliche schulische Veranstaltungen, die wir als besondere Unterrichtsformen verstehen:

  • Klassenfahrten: Weil Reisen bildet, gibt es an der Kulturwerkschule – Oberschule in jedem Jahrgang eine Klassenfahrt. Sie findet in der Regel zu Beginn des Schuljahres statt, wobei über das Schuljahr verteilt anlassbezogen weitere mehrtägige Exkursionen oder außerschulische Lernorte hinzukommen können.
  • Langzeitprojekte: In den Klassenstufen 8 und 9 wird die Klassenfahrt ersetzt durch individuelle Langzeitprojekte, die auch außerhalb des Schulgebäudes einzeln oder in kleinen Gruppen und unter pädagogischer Betreuung durchgeführt werden können. In Klassenstufe 9 haben diese Langzeitprojekte einen kulturell-sprachlichen Schwerpunkt.
  • Schüleraustausch: In Klassenstufe 8 findet ein Schüleraustausch (Hin- und Rückaustausch) zum vertieften Fremdsprachenlernen statt, bei dem die Verständigungssprache Englisch sein wird.

Die Teilnahme an weiteren zusätzlichen schulischen Veranstaltungen ist freiwillig.

Leistungsdokumentation und -einschätzung

Auf das Erteilen von Ziffernnoten und Ziffernzeugnissen wird bis einschließlich Jahrgang 8 verzichtet. Stattdessen werden am Ende jedes Schuljahres Lernentwicklungsberichte erstellt. Die erhobenen Leistungen werden von den Fachlehrerinnen und Fachlehrern fortlaufend nachvollziehbar dokumentiert und in Lerngesprächen reflektiert. Zum Halbjahr werden verpflichtende Lernentwicklungsgespräche mit den Sorgeberechtigten und Schülerinnen bzw.

Schülern geführt und es wird auf die Vergabe von Halbjahresinformationen verzichtet.

Bei einem Schulwechsel ist jederzeit und ohne Einschränkung eine Darstellung der Leistung in Ziffernform möglich.

In den Jahrgängen 9 und 10 werden zusätzlich zu den Lernentwicklungsberichten Ziffernnoten und Ziffernzeugnisse vergeben, um Anschlussfähigkeit an das staatliche Bildungssystem zu gewährleisten. Schüler*innen und Eltern werden zum Ende der 8. Klasse darauf hingewiesen, welcher Abschluss voraussichtlich erreicht wird. Sie werden darüber hinaus informiert, wenn der Abschluss generell gefährdet ist oder wenn sich die Leistungen so verschlechtern, dass der zuletzt prognostizierte Abschluss voraussichtlich nicht erreicht werden wird. Auf Formen der äußeren Differenzierung, wie Leistungsklassen oder Realschul- und Hauptschulklassen wird verzichtet.

Lern- und Freizeiten

Ebenso wie die Grundschule ist die Oberschule von 7:00 bis 17:30Uhr geöffnet. Verbindlicher Unterrichtsbeginn ist für alle ab 8:30Uhr, der Unterricht in der Oberschule endet um 16:00Uhr.

  Montag - Freitag
  Offener Anfang
Band 1 1 8:30-9:30 Grundkurse (fachgebunden oder fächerübergreifend) in Stammgruppen
2 9:30-10:30
  Frühstückspause
Band 2 3 11:00-12:00 Themenräume oder Freilernzeit
4 12:00-13:00 Themenräume oder Freilernzeit bzw. Sport
  Mittagspause
Band 3 5 14:00-15:00 Themenräume oder Freilernzeit bzw. Sport
6 15:00-16:00 Themenräume oder Freilernzeit
  Offener Abschluss

Beispielplan für die 5. Klasse der Oberschule

Schlussbemerkung

Wir verstehen Schule als lernende Organisation, die sich mit den darin tätigen und lernenden Personen ständig weiterentwickelt. Daher wird auch unser Konzept stetig weiterentwickelt.